Japan und seine Schuluniformen

18 Min Read

Schuluniformen sind ein fester Bestandteil des japanischen Schulsystems und der japanischen Popkultur. Sie sind ein Teil des Alltags und das nicht nur an Schultagen, in den Schulen oder auf dem Weg dorthin. Die heutigen Variationen der Schuluniform sind auch aus der Unterhaltungsindustrie nicht mehr wegzudenken. Das Thema der Uniformen geht weit über ihre eigentliche Aufgabe hinaus, welche die Zugehörigkeit der Schüler, sowie das gemeinschaftliche Auftreten beschreiben soll.

Sie sind ein wichtiger Bestandteil vieler Unterhaltungsformen und können darüber hinaus als vornehm, süß, hübsch oder auch sexy dargestellt werden. Doch wie sind sie entstanden und wie haben sie sich im Laufe der Zeit verändert? In diesem Blogpost werden wir einen kurzen Überblick über die Geschichte und die Bedeutung der japanischen Schuluniformen geben.

Japan meine Liebe foto von Susann Schuster
Schuluniformen sind auf dem Stadtbild von Japan kaum wegzudenken. Foto: Stefanie Hau, Unsplash

Der Ursprung der Schuluniform in Japan

Die ersten Schuluniformen in Japan wurden vor ca. 150 Jahren, also im 19. Jahrhundert eingeführt, als sich Japan im Zuge der Meiji Restauration dem Westen öffnete und modernisierte. Die Uniformen sollten die Zugehörigkeit zu einer Schule zeigen und den gesellschaftlichen Hintergrund der Schüler verschleiern – also den Unterschied zwischen Arm und Reich unsichtbar machen.

Ursprünglich ähnelten diese Schuluniformen den bekannten Kimonos, doch im Zuge der 20er-Jahre änderte sich dieses, als man sich vor allem bestimmten militärischen und auch maritimen Uniformen aus Europa orientierte, um den Grundstein für viele heute bekannte Stile der japanischen Schuluniformen zu legen.

Genauer gesagt, geht dies auf eine Akademie für Mädchen in der Stadt Fukuoka zurück. Auf Basis einer damals bekannten Sportuniform aus England wurde das bekannte Matrosendesign von der Schuldirektorin Elizabeth Lee auch in Japan populär gemacht. Vor allem in den 20er-Jahren waren es die Uniformen im Matrosenstil, welche von vielen Schulen in ganz Japan adaptiert wurden.

Hakama, school uniform, tradition, Schuluniform
Die Hakama Uniform für Männer ist auch einer der Vorläufer der heutigen Schuluniform. Foto: Gemeinfrei

Die verschiedenen Arten der japanischen Schuluniformen

Es gibt in Japan zahlreiche verschiedene Arten von Schuluniformen, welche sich je nach Stadt, aber auch je nachdem, ob es sich um eine öffentliche oder private Schule handelt, unterscheiden.

Einige bekannte möchte ich hier einmal kurz zusammenfassen:

Die Sailorfuku, die klassische Uniform der Mädchen

Diese Schuluniform für Mädchen ist bekannt unter dem Namen Sailorfuku (セーラー服). was sich aus dem Wort Sailor (In Katakana Seeraa) und dem japanischen Wort Fuku, was Kleidung bedeutet, zusammensetzt.

Diese besteht aus einem Matrosenhemd mit Kragen und Schleife oder Krawatte sowie einem plissierten Rock. Der Name Sailorfuku bedeutet Matrosenanzug und verweist auf den Einfluss der britischen Marine-Uniformen auf das Design.

Die Sailorfuku wurde 1921 von der Direktorin Elisabeth Lee an der Mädchenakademie Fukuoka eingeführt, nach dem Vorbild ihrer Sportkleidung in Großbritannien. Bald wurde die Sailorfuku landesweit populär als Schuluniform für Mädchen.

Die Gakuran- die Uniform der Jungen

Nicht nur die Mädchen in Japan tragen schon seit Langem eine Uniform. Selbstverständlich gibt es auch für die Jungen ein entsprechendes Gegenstück. Diese Uniform geht sogar noch viel weiter in die Vergangenheit zurück und hat seine Ursprünge im Jahr 1879 als offizielle Uniform der Universität der kaiserlichen Familie in Tokyo.

Später übernahm die Teikoku Universität Tokyo diese Uniform, worauf sie sich mit der Zeit immer weiter im ganzen Land verbreitete. Die Inspiration dieser Uniformen geht dabei auf die traditionelle Uniform des japanischen Heers zurück, welche selbst wiederum auf den Uniformen der preußischen Armee beruht.

Diese Schuluniform für Jungen nennt sich Gakuran (学らん) und besteht aus einer schwarzen oder dunkelblauen Jacke mit engem Kragen und goldenen Knöpfen sowie einer langen Hose. Der Name Gakuran setzt sich zusammen aus den Abkürzungen von gakkō (学校 = Schule) und randa (らんだ), einem alten Wort für europäische Kleidung.

Japan meine Liebe foto von Susann Schuster
Die ursprüngliche Inspiration für die Gakuran Uniform. Foto: Knötel 1857 – 1914, Gemeinfrei

Die Blazer Uniform

Die Blazer Uniform gilt heute als die am weitesten verbreitete Uniform in Japan. Sie ist eine relativ neue Schuluniform im Vergleich zu den anderen Uniformen und wird oft eingeführt, wenn die Schule das Design der Uniform ändert. Sie wird meist von Schülerinnen getragen und kombiniert den Rock mit einem Blazer, welcher darüber hinaus mit einer Krawatte oder einer Schleife ergänzt wird.

Die Bolero Uniform

Die Bolero Uniform ist eine Abwandlung der Blazer Uniform und unterscheidet sich vor allem darin, dass über dem Blazer oder über einem Hemd eine kurze Jacke getragen wird. Deswegen scheint die Verbindung vom Rock zum getragenen Oberteil eher fließend. Im Gegensatz zur Blazer Uniform ist die Bolero Uniform jedoch weit weniger verbreitet in Japan.

Die Jumperskirt Uniform

Wie der Name schon sagt, ist dies ein einteiliges Kleid ohne Ärmel. Deshalb tragen Mädchen je nach Jahreszeit eine lang- oder kurzärmelige Bluse darunter und fügen manchmal eine hübsche Schleife hinzu. Röcke im Jumper-Stil bieten im Allgemeinen einen mädchenhaften Look und werden in Kombination mit einem Bolero-Jäckchen noch stilvoller.

Wegen der Bewegungsfreiheit war dies früher eine beliebte Sommeruniform an vielen Schulen in Japan, insbesondere an Grundschulen. In den vergangenen Jahren hat die Mode jedoch die Bedeutung der Funktion überwogen, sodass man in japanischen Oberschulen immer seltener Uniformen in diesem Stil sieht.

Die Kombination aus Bolero und Jumperskirt kommt auch häufig in Animes vor (vor allem in Magical-Girl-Animes) und wird häufig für prinzessinnenartige Charaktere verwendet, da dieser Stil weiblicher wirkt als andere Uniformen. In der Tat ist die Bolero-Uniform nicht so verbreitet wie die Matrosen- oder Blazer-Uniform, aber sie ist immer noch beliebt bei den gehobenen Schulen für diejenigen mit einem guten familiären Hintergrund.

Die Eton Jacken Uniform

Diese Uniform ist ebenfalls eine Variation der Blazer Uniform und ihr Hauptunterschied ist die sogenannte Eton-Jacke. Die Eton-Jacke ist eine Jacke ohne Kragen und wird oft in der Grundschule oder der Junior High School getragen. Der Name „Eton“ stammt vom Eton College in England. Jedoch ist diese Form der Uniform mit der Eton-Jacke außerhalb von Privatschulen als Uniform nicht sehr verbreitet.

Uniform, Schuluniform, Gemeinfrei, Wikipedia. Sailor Fuku, Gakuran,
Sailor Fuku und Gakuran Uniform der Ichikawa Gakuen Schule in Chiba. Foto: Gemeinfrei

Japanische Uniformen im Wandel der Zeit

Selbstverständlich haben sich die japanischen Schuluniformen im Laufe der Zeit verändert, um sich den aktuellen Modetrends anzupassen oder aber auch, um sich von anderen Schulen abzuheben. Dabei wurde nicht nur das offizielle Design angepasst, sondern auch die Schüler selbst haben, wenn möglich, bestimmte Anpassungen vorgenommen.

Zum Beispiel wurden in den 1980er-Jahren die Röcke länger oder kürzer getragen, je nach Geschmack oder Protesthaltung der Schülerinnen. Die meisten Röcke der Mädchenuniformen reichen heutzutage bis zu den Knien, oder weiter, doch werden diese oftmals von den Schülerinnen aufgerollt, um sie zu verkürzen. Auch ob Strumpfhosen getragen werden müssen, oder verboten sind, liegt an der jeweiligen Schule, aber auch an dem jeweiligen Zeitgeist. Viele Schulen stellen es den Schülerinnen frei, selbst zu entscheiden, ob sie eine Strumpfhose tragen möchten oder nicht, wobei von jungen Mädchen das Tragen einer Strumpfhose oftmals als uncool interpretiert wird.

Ein weiteres Beispiel der Veränderung im Laufe der Zeit kann an den Strümpfen der Schuluniform beobachtet werden. In den 80er-Jahren waren viele Schuluniformen dahin gehend designt, dass die Socken nicht eng getragen wurden, sondern sie sich locker um den Knöchelbereich der Schülerinnen legten.

Auch die Farben wurden vielfältiger, wobei Blau, Weiß, Grau und Schwarz immer noch dominieren. Manche Schulen ersetzten auch das Matrosenhemd durch einen Blazer oder führten andere Accessoires wie Strümpfe oder Mützen ein. Wirklich lange Röcke sind heutzutage an japanischen Schulen sehr selten geworden, da diese oftmals als altmodisch angesehen werden.

Schuluniformen und ihre Bedeutung in der Gesellschaft

Die japanischen Schuluniformen haben nicht nur eine praktische Funktion, sondern auch eine symbolische Bedeutung. Sie repräsentieren die Identität und den Stolz einer Schule sowie die Disziplin und den Leistungsdruck des japanischen Bildungssystems. Überdies werden diese Uniformen, wie am Anfang erwähnt, von vielen Schülern nicht nur während der eigentlichen Schulzeit getragen. Sie sind oftmals auch das Kleidungsstück der Wahl für die Freizeit. Aus diesem Grund kann man die Uniformen nicht nur während der Schultage innerhalb der Ortschaften entdecken, sondern sogar bei Wanderungen durch die Natur des Landes.

Wenngleich man selbst noch nicht in Japan war, wird man spätestens durch die weltweit berühmte Manga und Anime Serie Sailor Moon mit der Sailorfuku in Kontakt gekommen sein. Zahlreiche Manga, Anime, aber auch im Cosplay nutzen diese Uniform als ein stilistisches Element, um Niedlichkeit darzustellen. Doch ist die Sailorfuku auch immer wieder beliebtes Element für die erotische Darstellung von Charakteren, oder aber auch direkter sexueller Fantasien.

Die Schuluniform gilt daher nicht nur als ein essenzieller Bestandteil des japanischen Schulsystems, sondern ist auch ein bedeutender Bestandteil der japanischen Popkultur und Teil vieler Unterhaltungsformen.

Schuluniform, Japan, Cosplay, Unsplash, Nur Taufik Zamari
Schuluniformen sind nicht nur in Japan ein beliebter Teil der Popkultur. Foto: Nur Taufik Zamari, Unsplash

Schuluniformen in Japan: Kosten, Probleme und Alternativen

Die Kosten für die Schuluniformen müssen in der Regel von den Eltern der Schüler getragen werden. Die Kosten für eine Schuluniform in Japan variieren je nach Schule und Geschlecht. Neben den eigentlichen Kleidungsstücken, welche die Uniform im allgemeinen deutlich repräsentieren, gehören aber auch kleinere Accessoires wie Socken oder Schuhe, sowie Taschen und Mützen oftmals zum festen Bestandteil der Uniform.

Ein komplettes Set für Sommer und Winter inklusive Accessoires kommt ungefähr auf 100.000 Yen (aktuell ca. 750 €). Die Schuluniform ist oft ein großer Posten im Haushaltsbudget der Familien, vor allem wenn mehrere Kinder zur Schule gehen.

Für einige Familien sind diese Kosten eine finanzielle Belastung oder sogar eine Hürde für den Schulbesuch ihrer Kinder. In Japan gibt es zwar ein staatliches Stipendienprogramm für bedürftige Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen, aber dieses deckt nicht immer alle Ausgaben ab. Außerdem müssen sich die Familien dafür bewerben und ihre Einkommensverhältnisse offenlegen, was manche als stigmatisierend empfinden.

Es gibt jedoch auch einige Alternativen oder Hilfsangebote für Familien, die sich die Schuluniform nicht leisten können oder wollen. Zum Beispiel gibt es an manchen Schulen keine vorgeschriebene Uniform oder nur eine einfache Kleiderordnung. Andere Schulen bieten gebrauchte Uniformen zum Verkauf oder zum Tausch an. Manche gemeinnützige Organisationen sammeln auch Spenden oder spendieren neue oder gebrauchte Uniformen an bedürftige Kinder.

Kleidermobbing auch mit Uniform

Das Problem von gebrauchten Uniformen, oder von Uniformen, welche zu lange getragen werden müssen, spiegelt sich in einem Problem wider, welches man oftmals als Argument für die einheitliche Schuluniform anbringt. Oftmals wird gesagt, dass eine Schuluniform eine sehr effektive Methode ist, um gegen Kleidermobbing vorzugehen, doch entsteht dieses Problem auch dann, wenn sich Schüler von ärmeren Familien keine, oder nicht regelmäßig neue Schuluniformen leisten können.

Es ist völlig natürlich, dass sich regelmäßig getragene Kleider mit der Zeit abnutzen und dieses ist dann natürlich an den Uniformen zu sehen, wobei die Kinder dann trotz einer Uniform zum Ziel von Mobbing werden können.

Selten freie Entscheidung

Die Überregulierung

Je nach Schule können die Regeln für die Schuluniform oder aber auch das Aussehen selbst sehr detailliert und streng ausgelegt sein. Dabei geht es dann nicht nur um die Uniform selbst, sondern um die Farbe der Haare oder gar um die Farbe der Unterwäsche. Es gab in der jüngeren Vergangenheit Berichte in den japanischen Medien von Schulen, welche Schüler dazu zwangen, sich die Haare dunkel zu färben, obwohl die hellere Haarfarbe ihre natürliche war.

Auch warum der Fokus hier auf die Farbe der eigentlich nicht sichtbaren Unterwäsche gelegt wird, sollte hier wirklich infrage gestellt werden. Dass man als Schüler in einer Schuluniform kein Make-up soll, kann dagegen gerne ein wenig lockerer gesehen werden.

Die Genderfrage und die Freiheit der Wahl

In unserem Interview mit Masaki Shion haben wir auch über das Problem der Geschlechter und der Uniformen gesprochen. Dabei geht es nicht allein darum, den Menschen eine entsprechende Option zu bieten, wenn sich selbst mit dem angeborenen Geschlecht nicht identifizieren können.

Es geht auch darum, dass es Jungen oder Mädchen erlaubt sein sollte, eine Uniform frei jeglicher festgelegter Vorlagen zu wählen. Die schrittweise in Japan angebotenen geschlechtsneutralen Uniformen sind dabei auf jeden Fall ein Anfang. Auf der anderen Seite, sollte man sich jedoch auch fragen, warum es Mädchen dann erlaubt wird, Hosen zu tragen, während einem Junge, welcher einen Rock tragen möchte, dies verwehrt wird.

Ganz unabhängig, welche Präferenzen man selbst hat, oder ob man die Gender-Thematik oder LGBTQ+ Thematik versteht oder nicht, sollte man den emotionalen Wert des Menschen nicht einzig auf seine Kleidung reduzieren.

Ein faszinierendes und facettenreiches Thema

Japanische Schuluniformen sind vielleicht nicht die Ersten Ihrer Art, aber wahrscheinlich gehören sie zu den bekanntesten weltweit. Sie sind ein Thema, welches Gemüter erfreuen, aber auch aufregen kann. Sie können Probleme lösen und zur gleichen Zeit verschiedene neue Probleme aufkommen lassen, je nachdem wie man sie in die Gesellschaft integriert.

Ich bin ein großer Fan der japanischen Schuluniformen, verstehe aber auch solche Stimmen, die sich dagegen aussprechen. Es ist ein Thema, welches nicht einzig mit Schwarz und Weiß kategorisiert werden kann, aber dennoch bin ich der Meinung, dass viele aktuelle Probleme, welche die Uniformen eventuell verursachen können, mit ein wenig Mut gelöst werden können. Auf der Webseite der JNTO Education findet man außerdem noch einige weitere interessante Fakten zum Thema Schuluniformen in Japan

Über das Thema LGBTQ+ in Japan, haben wir darüber hinaus mit einigen Mitgliedern der Idolgruppe CoCoLo♡RiPPLe gesprochen. Das komplette Interview in deutscher Sprache befindet sich hier.

Share This Article