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Reiseberichte

Hagi, ein Kleinod am Meer

Heute besuchen wir eine kleine Stadt, direkt am Meer, die wirklich abseits der Touristenpfade liegt. In Hagi war ich vor einiger Zeit, da wir von der Arbeit aus ein Video über die Stadt drehen sollten. Der Dreh selbst war sehr spannend und als Urlaubsort wollen wir die Gegend darüber hinaus unbedingt noch einmal zusammen besuchen.

Da wir in Tokyo wohnen ist die Anfahrt etwas langwieriger: Am einfachsten ist es, wenn man zum Yamaguchi Ube Flughafen fliegt und sich dort ein Auto mietet. Da die Gegend sehr ländlich ist, kann man so alles bestens auf eigene Faust entdecken. Die nächste größere bekannte Stadt ist übrigens Hiroshima. Von dort aus kann man auch mit dem Zug nach Shin-Yamaguchi in unter einer Stunde gelangen und dann mit dem Bus weiter nach Hagi fahren.

Die Geschichte von Hagi

Hagi befindet sich in der Präfektur Yamaguchi und ist eine ehemalige Burgstadt direkt am Japanischen Meer. Sie war einst die Hauptstadt des Mori-Clans. Dieser mächtige Clan regierte die Präfektur mehr als 250 Jahre lang. Die gut erhaltene ehemalige Burgstadt ist eines der Markenzeichen Hagis. Auch die örtliche Hagiyaki Töpferkunst ist japanweit bekannt und zählt zu einer der besten im Land. Es gibt über 100 Brennöfen in der Stadt und eine Besonderheit ist die sandartige Farbe der Töpferwaren, welche eine weiße Lasur aufweisen. Generell werden bewusst einfache Formen und Texturen gewählt und man kann überall kleine Souvenirs aus Ton kaufen.

Da Hagi seit der Edo-Periode von größeren Katastrophen verschont blieb, kann man heutzutage viele wunderschöne gut erhaltene Samurai- und Kaufmannshäuser besichtigen. Typisch für die Gegend sind auch die roten Ziegeldächer, welche man überall sieht, ebenso wie die sich darauf befindlichen Tigerfische. Zudem gibt es in und um Hagi fünf Weltkulturerbestätten, die wichtig für die japanische Industrialisierung waren: die Siedlung der Burg Hagi, der Flammofen von Hagi, die Ebisugahana Werft, die Shokasonjuku Akademie und die Ohitayama Tatara Eisenhütte. Die Gegend hat also viel Interessantes zu bieten.

Video-Impressionen aus Hagi

Um einen ersten Eindruck zu bekommen, schaut doch einfach erst einmal das Video an, was unsere Firma für die Stadt erstellt hat. Hier seht ihr mich auch gleich in Action: wenn man den ganzen Tag essen darf und in Kimono gekleidet wird, kann man allerdings nicht mehr wirklich von Arbeit sprechen. Als Reiseagenten haben wir diese Chancen auch nicht so oft, da einfach keine Zeit ist, doch Corona hat alles ein wenig verändert und somit können wir auch bei anderen Projekten mithelfen.

Was bleibt, sind die vielen schönen Erinnerungen und man sieht viel vom Land in einer recht kurzen Zeit. Japan hat so viele schöne Ecken, die man entdecken kann!

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Es gibt viel zu erleben

Hagi lohnt sich wirklich, wenn man es ganz in Ruhe entdecken möchte. In der Gegend kann man sehr schön spazieren gehen oder auch mit dem Rad fahren. Östlich des Stadtzentrums von Hagi befinden sich einige schöne hölzerne Tempelgebäude, die von einem Wald umgeben sind. Der Tokoji Tempel und der Daishoin Tempel bieten eine ganz eigene entspannte Atmosphäre.

Was sich hinter den Tempelgebäuden befindet, ist jedoch das Highlight: die Begräbnisstätte der Hälfte der Mori-Fürsten, die während der Edo-Zeit regierten. Während hier die geraden Fürsten ihre letzte Ruhe genießen, wurden im Daishoin Tempel die ungeraden Fürsten beigesetzt. Hunderte von Steinlaternen säumen die Wege.

Im Kimono Style Café kann man sich in Kimono kleiden lassen, inklusive Haar-Styling, um danach die alte Burgstadt zu Fuß erkunden. Die vielen kleinen Gassen sind wirklich wunderschön erhalten und man kann auch einige der alten Häuser und deren Gärten besichtigen. Außerdem gibt verschiedene kleine Museen, die einen Besuch wert sind, z.B. das Hagi Museum, das Kumaya Kunst Museum, das Hagi Uragami Museum oder das Hagiyaki Töpferei Museum. Auch die Burgruinen sind einfach zu erreichen, wo man auch den schönen Shizukiyama Schrein findet, den ihr auf dem Cover-Bild sehen könnt.

Der Kikugahama Strand ist ein weiteres Highlight, denn er bietet einen tollen Blick auf den 143 Meter hohen Berg Shizuki. Auch die Aiba-Wasserstraße ist einen Besuch wert. Dieser Kanal ist im 18. Jahrhundert erbaut worden. Heute sieht man hier jedoch, statt kleiner Booten für den Transport von Waren, prächtige bunte Koi-Karpfen schwimmen.

Wenn man die Yukawa Residenz besucht, erhält man Einblicke, wie der Wasserweg früher im täglichen Leben genutzt wurde. Im Innern des Hauses kann man über Steintreppen zu dem Kanal gelangen: hier wurde z.B. Gemüse und Geschirr gewaschen. Das Wasser des Kanals wird auch in den Garten der Residenz geleitet, wo sich ein schöner Teich befindet.

Wenn man sich für alte Schulen interessiert, dann ist die ehemalige Mori-Clan Schule Meirinkan genau richtig. Diese wurde 1718 gegründet, damit die Kinder der Fürsten dort lernen konnten. Später wurde das Gebäude bis zum Jahr 2014 als Grundschule genutzt. Heutzutage erfährt man dort viel über die Feudalzeit, deren Wissenschaft und Technik, aber auch über die Weltkulturerbestätten von Hagi.

Kulinarische Leckereien

Da Hagi direkt am Meer liegt, gibt es natürlich viele frische Fischgerichte, welche man probieren kann. Sashimi und Seeigel sind nur einige der vielen Spezialitäten. Hagi bietet mehr als 250 Sorten frischen Fisch aus der Region, welcher je nach Saison variiert. Auch Kamaboko kann man hier genießen. Ausgesuchte Fischstücke werden hierfür zu einer Paste verarbeitet, welche dann gedämpft und langsam bei niedriger Hitze gebacken wird.

Wer Fisch nicht so gerne mag, kann Kawara Soba probieren. Hierbei wird grüner Tee in Pulverform in Nudeln eingeknetet. Dazu gibt es dann noch schmackhaftes Rindfleisch und ein paar andere Beilagen. Das alles wird dann ansprechend auf einer heißen Dachpfanne serviert. Okonomiyaki-Freunde sollten übrigens das „Hagisamurai“ aufsuchen: hier gibt es unglaublich leckere Okonimiyaki, z.B. mit gegrilltem Käse!

Was man ebenso überall sieht, sind Natsu Mikan (Sommer-Orangen). Diese haben einen bittersüßen Duft und einen leicht säuerlichen Geschmack. Sie werden als Saft oder in Eiscreme serviert und es gibt überall zahlreiche Souvenirs mit Natsu Mikan zu kaufen: Bonbons, Gelee, Marmelade, Tee usw.

Auch das Hotoritei Café sollte unbedingt besucht werden, denn hier tritt man ein in eine ganz andere Welt: In der Mitte dieser kleinen Oase befindet sich ein japanischer Garten und es wird ein leckeres Lunch-Menü serviert. Darüber hinaus wird köstlicher Kuchen angeboten, welchen man sowohl in einem japanischen Raum als auch einem westlichen Raum genießen kann. Hier wird einem neben dem Essen eine sehr entspannte und klassische Atmosphäre geboten, in der man es sich gemütlich machen kann.

Tagesausflüge

Fährt man ein wenig weiter die Küste entlang, so gelangt man zum Susa Hornfels. Die imposanten Klippen bestehen aus Sandstein- und Schieferschichten, sodass sich hellgraue und schwarze Schichten deutlich sichtbar abwechseln. Die Schichten haben sich vor 14 Mio. Jahren hier abgelagert und wurden durch die Hitze des Magmas gehärtet. Diese Klippen live zu sehen, hat schon etwas Beeindruckendes.

Fährt man die andere Richtung an der Küste entlang, so entdeckt man den Motonosumi Inari Schrein. Dieser wurde im Jahr 1955 errichtet. Lange Zeit war der Schrein relativ unbekannt, doch dann wählte ihn der Sender CNN zu einem der schönsten Orte Japans und so stiegen seitdem die Besucherzahlen stetig an. Vor allem die 123 roten Torii, welche zum Meer führen, sind wirklich atemberaubend schön anzusehen. Auch wenn der Weg etwas beschwerlich ist, da man viele gewundene Straßen entlang fahren muss, so lohnt sich der Besuch doch allemal.

Fazit

Hagi hatten wir gar nicht groß auf dem Schirm, um ehrlich zu sein, denn die Präfektur Yamaguchi ist nicht so populär wie viele andere und auch eine Reise dorthin von Tokyo aus ist etwas aufwändiger, doch die Gegend ist wirklich wunderschön! Gerade auch, wenn man es ruhiger angehen möchte, ist man hier genau richtig: keine Touristen, alle sind entspannt, tolles Essen und auch sehr viele schöne Ryokan mit Onsen werden geboten. Zudem hat man einen tollen Kontrast aus Meer und grünen, satten Landschaften und die Stadt ist klein genug, um alles zu Fuß zu entdecken (zumindest nach unserem Lauf-Standard). Wenn sich also wieder die Chance ergibt, dann machen wir Urlaub in Hagi und genießen unsere Zeit dort zusammen.

Und wenn ihr abseits der Touristenpfade unterwegs sein wollt, aber es lieber tropisch mögt, dann können wir euch das Inselparadies Okinawa ans Herz legen.

Weitere Informationen

Japan meine Liebe foto von Susann Schuster

Ort: Hagi
Präfektur: Yamaguchi
Hagi Webseite (EN)

Von Susann, 17. September 2021
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