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Reiseberichte

Road- und Hiking-Trip zum Chichibu-Tama-Kai Nationalpark

Der Chichibu-Tama-Kai Nationalpark bietet durch seine Größe die besten Möglichkeiten für eine entspannte Wanderung durch die Natur. Dank der vielen Berge gibt es zahlreiche Wege, welche man wählen kann.

Länger hatten wir uns nun schon vorgenommen, gemeinsam mit unserer Freundin Ai einen Tagesausflug zum Berg Kinpu und seiner Umgebung zu machen. Aufgrund von Krankheit aber auch dem Wetter mussten wir unseren Trip dann jedoch um einige Wochen verschieben. Mitte August war es dann aber endlich soweit. Mit dem Auto machten wir uns auf den Weg, um gemeinsam Zeit zu verbringen, die Natur zu genießen und unsere Drohne fliegen zu lassen. Doch es sollte nicht alles so unbeschwerlich werden, wie wir es uns erhofft hatten.

Wie kommt man am besten dorthin?

Unser eigentlicher Wunsch war es, endlich einmal gemeinsam einen Wandertrip zu machen. Schnell kamen wir dabei auf den Chichibu-Tama-Kai Nationalpark. Die Frage war nur, wie wir am besten dorthin kommen sollten. Der Zug ist natürlich das angenehmste Transportmittel, doch hätten wir noch ein gutes Stück mit dem Bus den Berg hinauf fahren müssen. Dabei ist man bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel an die jeweiligen Zeiten gebunden.

Andererseits muss man sich natürlich auch bewusst sein, dass eine Fahrt mit dem Auto von mindestens 3 Stunden sehr anstrengend sein kann. Vor allem Bergstraßen haben es durch ihre engen und zahlreichen Kurven in sich. Zudem will man ja nicht nur zum Park hin, sondern am Abend auch wieder zurück und nach einer mehrstündigen Wanderung über die Berge in über 2.000 Metern Höhe kann das besonders anstrengend sein. Dennoch entschieden wir uns am Ende dafür, ein Auto zu mieten und den Weg in Eigenregie anzutreten.

Der Plan war, den größten Teil über den Expressway zu fahren, um dann noch den letzten Abschnitt den Berg hinauf bis zu unserem Startpunkt zu fahren. Ob das nun die beste Idee ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, für uns 3 war es jedenfalls trotz der Mautgebühr, die regelmäßig bezahlt werden musste, günstiger als die Bahn.

Treffen in Sangenjaya und rauf auf den Expressway

Wir trafen uns am Samstagmorgen um 07:30 vor der Sangenjaya Station, sprangen ins Auto und machten uns auf den Weg. Am Abend zuvor hatten wir im Supermarkt um die Ecke noch einige Snacks und Trinken für die Fahrt gekauft. Ungefähr drei Stunden sollte die Mindest-Fahrtzeit sein, aber unserer Erfahrung nach entstehen auch in Japan schnell Staus und so rechneten wir doch mit mehr.

Schon nach wenigen Minuten verließen wir die Straßen von Tokyo und fuhren die Zufahrt zum Expressway hinauf. Dort lernten wir auch zum ersten Mal, wie es bei den Checkpoints für die Maut funktioniert. Entweder man hat eine ETC Karte und kann automatisch durch die sich öffnenden Schranken hindurchfahren, oder man fährt an einen Schalter und zahlt den Betrag in bar. Diese gibt es als Maschine, oder besetzt von Personal. Der erste Checkpoint kostete uns nur etwas über 300 Yen und wir dachten uns, cool, das geht ja noch, doch später sollte es dann doch noch teurer werden.

Lange ging es dann über die Straßen, wobei wir ein wenig über die Geschwindigkeitsbegrenzungen in Japan lernten. Als Ai uns fragte, ob es wirklich stimmt, dass es auf deutschen Autobahnen kein Geschwindigkeitslimit gibt, war sie doch ein wenig erstaunt über die Realität. In Japan fährt man auf dem Expressway in der Regel keine 100 km/h, sondern dümpelt vergleichsweise langsam mit 60 bis 80 km/h über die Straße. Der nächste Checkpoint war dann schon ein wenig teurer mit über 1.000 Yen, und am darauffolgenden bekamen wir ein Ticket, welches wir dann am anderen Ende, wenn wir den Expressway verlassen wollten, einreichen mussten.

Da wurden wir dann auch mit dem ersten mehrschichtigen Problem konfrontiert: Unser Ziel wurde leider nicht von dem Navigationssystem im Auto erkannt, wodurch wir uns auf das Smartphone verlassen mussten. Hier waren in der App allerdings die Bezeichnungen falsch und somit verpassten wir die richtige Ausfahrt. Okay, dachten wir uns, nehmen wir die nächste und da kam es dann zum nächsten, nun eher selbst verschuldeten Problem.

Manche Expressways haben am jeweiligen Ausgang zwei verschiedene Mautstellen. Einmal für die Zahlung mit der ETC Karte, und einmal für die Barzahlung. Versehentlich waren wir zum Ausgang für die Smartzahlung gefahren und standen dann auf dem Parkplatz, um zu sehen wie wir wieder zurückkommen konnten.

Jemand hatte jedoch die geistreiche Idee, obwohl diese beiden Checkpoints direkt nebeneinander liegen und nur von einer schmalen Wiese getrennt waren, dass man nicht von dem einen wieder zurück zum anderen kommen kann. Also blieb uns nichts anderes übrig, als weiter den Expressway entlang bis zur nächsten Ausfahrt zu fahren, um dort dann endlich abzufahren. Da uns dieser Checkpoint dann über 2.000 Yen gekostet hatte, beschlossen wir über die Nebenstraßen zu unserem Ziel zurückzufahren. Weitere Informationen zu den Expressways und wie das Maut System in Japan im Detail funktioniert, findet ihr auf der offiziellen Informationsseite zum Expressway Japan.

Das war eine ziemliche Tortur für uns alle, denn schon bevor wir nach einigen Stunden Fahrt dann endlich am Nationalpark und Berg ankamen, mussten wir zahlreiche enge Straßen mit vielen Kurven durchqueren. Wir haben uns vorher noch über Achterbahnen unterhalten und Ai fragte mich, ob ich einmal im Fuji Q Highland mit einer fahren möchte. Nach diesem hin und her und einer Menge Übelkeit, sagte ich ihr: keine Achterbahn für uns!

Endlich am Chichibu-Tama-Kai Nationalpark

Kurz nach 12:00, nach einigen Stunden auf kurvigen Bergstraßen und bereits komplett gerädert, erreichten wir den Parkplatz und somit Startpunkt der Wanderrouten in über 2.000 Metern Höhe. Wir waren nicht die einzigen, die sich heute auf den Weg den Berg hinauf machen wollten, und einige hatten ihre Touren bereits beendet und machten sich auf den Heimweg. Für uns sollte der eigentliche Tag nun aber erst beginnen.

Leider hatte sich das Wetter mit der Zeit immer weiter verschlechtert und der Himmel hatte sich immer weiter zugezogen. Daher waren wir nicht sicher, ob wir die Drohne, die wir mitgenommen hatten und für die ich extra das Chichibu-Tama-Kai Parkmanagement kontaktiert hatte, überhaupt fliegen lassen konnten. Dennoch ließen wir uns nicht entmutigen und machten uns bereit für den Aufstieg.

Auf geht’s …

Umgeben von hohen Bäumen machten wir uns nun also auf den Weg. Der vergangene starke Regen hatte die Wege aufgeweicht und somit extrem rutschig gemacht. Darüber hinaus waren viele Bäume entwurzelt worden und Hölzer und Geröll auf die Wege gespült worden. Für uns war dies jedoch eine willkommene Abwechselung zu den geraden Pfaden in Tokyo selbst, auf denen wir Tag für Tag spazieren gehen.

Alte Stufen als Holz waren ebenso zu besteigen wir steile Felsen, bei denen man erst einmal schauen musste, wie man am besten hinauf kommt. Es hat Spaß gemacht und wie nicht anders zu erwarten, waren wir nicht die einzigen die heute in die Natur flüchteten. Wie man es auch aus Deutschland kennt, grüßt man sich beim Wandern über die Berge freundlich. So viel “Konnichiwa” hört man in Tokyo nicht in einem Monat.

Was natürlich auch nicht fehlen durfte: die Steinhaufen, die beinahe mit jedem vorbeistreifenden Wanderer ein Stück größer werden. Ai wollte es dabei ganz genau wissen und kreierte auf einer Seite ihr eigenes Kunstwerk aus vielen einzelnen Steinen. Weiter ging es den Berg hinauf und dabei mussten wir nicht selten eine kleine Zwangspause einlegen, weil die dünne Luft auf dieser Höhe an der Kraft zehrte.

Selbst wenn man körperlich fit ist, ist es essenziell, sich nicht zu übernehmen. Ab einer Höhe von 1.500 Metern kann man bereits die ersten Auswirkungen auf den eigenen Körper spüren und wenn man sich ein wenig zu viel zutraut, fängt man schneller an zu keuchen als einem lieb ist.

Wir waren nur auf einer Höhe bis etwas über 2.500 Metern unterwegs, aber wenn man sich noch weiter hinauf wagt, muss man natürlich noch vorsichtiger sein. Lieber etwas langsamer gehen und eine Pause mehr machen, als dass man am Ende den Berg wieder hinuntergetragen werden muss. Bei uns kam auch dazu, dass wir ja auf einer Höhe von über 2.000 Metern aus dem Auto erst ausgestiegen waren, und der Körper sich somit gar nicht langsam an die neuen Gegebenheiten gewöhnen konnte.

Susann machte zahlreiche Fotos mit ihrer Kamera und auch Ai und ich zückten regelmäßig unsere Handys, um uns gegenseitig zu fotografieren. Ich war selbst noch nie der Mensch, der sich gerne fotografieren ließ, aber Japan hat meine Engstirnigkeit in dieser Sache ein wenig abgeschwächt.

Auch wenn wir nun hinter den Bäumen gar nichts mehr sehen konnten, hatte ich noch immer die Hoffnung, dass wir unsere Drohne fliegen lassen konnten. Ai meinte auch, dass ab einem gewissen Punkt keine Bäume mehr um uns herum sein würden, sodass wir einen sicheren Start- und Landeplatz haben würden. Vielleicht, und das sagte ich mir immer wieder, würden wir auch ab einem gewissen Punkt über den Wolken sein und das wäre natürlich richtig genial für Fotos. Ab und an schien nämlich auch die Sonne schwach durch die Wolkendecke hindurch und bestärkte dahingehend meine Hoffnung.

Als wir dann beinahe auf dem höchsten Punkt des Berges Asahi waren, überquerten wir eine steinige Ebene aus Geröll. Viele der Steine waren groß und flach und somit der perfekte Ort, um eine Drohne sicher zu starten. Allerdings sah man zu unserer Linken wie auch Rechten absolut gar nichts. Wir waren wirklich inmitten der Wolken unterwegs.

Aber erst mal wollten wir den Gipfel erreichen. So langsam begann es auch leicht zu regnen und ich merkte schnell, wenn ich einmal nicht lief, dass ein T-Shirt nicht die beste Wahl gewesen war. Doch sich warmzulaufen hilft und so machten wir uns weiter die letzten Meter hinauf, diesmal wirklich hauptsächlich ohne Bäume um uns herum. Der Regen wollte auch nicht aufhören als wir den Gipfel des Berg Asahi erreicht hatten, doch ließen wir uns davon nicht die Laune verderben.

Wie es sich gehört, machten wir natürlich auch ein Foto von uns vor der Markierung auf dem Gipfel. Man weiß ja nie, was passiert, und vielleicht braucht man diesen Beweis ja irgendwann noch einmal.

Der Abstieg und die Drohne in den Wolken

Um nicht zu sehr zu frieren, beschlossen wir, nicht zu lange zu warten und machten uns daran, den Berg wieder hinabzusteigen. Der Regen ließ mit der Zeit nach und somit beschlossen wir, an dem bereits erwähnten felsigen Teil des Weges die Drohne starten zu lassen. Der Grund war vor allem, Susann in einer sicheren Umgebung mit der Drohne etwas üben zu lassen und auch Ai freute sich schon darauf, die Drohne einmal zu starten, um ein Foto zu machen. Wir bauten also alles zusammen, machten die obligatorischen Checks und ich ließ die Drohne erst einmal selbst starten.

Weit fliegen konnte man nicht, da man sie sonst rasch innerhalb der Wolken aus den Augen verloren hätte. Eine Familie kam den Berg hinunter als wir die Drohne in der Luft hatten. Wir bewegten sie ein wenig in der Distanz und alle konnten sicher vorbei. Sie bestätigten dann auch, dass es ein wenig schade ist für die Drohne, weil man ja nichts wirklich sehen kann und der kleine Junge verweilte noch so lange an unserer Seite bis ich die Drohne wieder sicher zu Boden gebracht hatte.

Dann sollte Susann ihren ersten Flug wagen. Ich hatte ihr Zuhause schon einmal alles erklärt, aber wir wiederholten noch einmal alle Funktionen und Hinweise und dann ging es ab in die Luft. Sie merkte auch schnell, dass es gar nicht so schwer ist, eine Drohne zu kontrollieren, wenn man vorsichtig ist. Auch die Landung klappte nach einigen Fotos problemlos. Dann durfte Ai ran und auch sie startete und fotografierte mit der Drohne als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Es war ein wenig schade, dass dieser Teil des Chichibu-Tama-Kai Parks so bewölkt war, aber wir hatten unseren Spaß zusammen.

Dann ging es weiter den Berg hinunter und das war schon ziemlich anstrengend. Weil wir vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Auto sein wollten, legten wir keine weiteren Pausen mehr ein, aber dass wir vorher kein Frühstück hatten, merkte man nun schon sehr schnell. Auch hier konnten wir noch einige schöne Fotos und kleine Videos machen, bevor wir dann den Parkplatz nach insgesamt 4 Stunden wieder erreichten. Hier gab es auch ein Restaurant, welches leider geschlossen war. Also mussten wir doch noch etwas warten, bis wir endlich etwas anderes außer Keksen und Kräckern zu essen bekamen.

Zurück nach Tokyo und leckere Ramen

Die Rückfahrt selbst war zu Beginn auch wieder sehr anstrengend. Nicht nur, dass es mit einem Mal heftigst anfing zu regnen und die Sonne nun allmählich unterging, so waren es auch wieder die engen Bergstraßen mit ihren Kurven, die unsere Mägen auf die Probe stellten. Dennoch waren wir froh, dass wir diesmal nur einen vergleichsweise kleinen Teil über das Land fahren mussten, da wir ja dann den großen Teil über den Expressway fahren wollten. Den Chichibu-Tama-Kai Park nun hinter uns gelassen, machten wir uns auf die Suche nach etwas zu essen.

Wir fanden schnell ein größeres Rahmenrestaurant, wo wir auch gleich einkehrten. Erst überlegte ich mir, ob ich vielleicht eine große Portion Nudeln nehmen sollte, doch nach der Fahrt, beschloss ich, es doch lieber ruhig angehen zu lassen. Die Ramen schmeckten kräftig und waren wirklich das, was wir eigentlich den ganzen Tag schon gebraucht hatten.

Gestärkt machten wir noch einen kurzen Halt beim Family Mart und machten uns dann wieder auf den Weg nach Hause. Während wir auf dem Expressway fuhren, fingen wir an, über die deutsche Sprache zu sprechen. Vor allem die Sprichwörter brachten uns zum Lachen, z.B. erklärten wir Ai das Sprichwort “Ich glaub, mein Hamster bohnert”. Auf Japanisch wäre das dann “watashi no hamusuta yuka wo souji shite iru to omoimasu”. Außerdem sprachen wir über die Probleme der japanischen Sprache und wie es manchmal schwer sein kann für Japaner, Ausländer zu verstehen, die Japanisch sprechen, selbst wenn sie offenbar die korrekte Aussprache nutzen.

Es war eine schöne und ruhige Fahrt. Glücklicherweise konnten wir nun auch das Navigationssystem des Autos verwenden und mussten somit nicht ständig auf das Handy starren. Wir kamen gut durch und waren dann um 20:30 wieder in Sangenjaya, wo unser Tag begonnen hatte. Wir verabschiedeten uns von Ai und legten aber auch gleich fest, dass wir bald wieder eine Wanderung in Japans Natur unternehmen wollten. Dann machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Hause.

Fazit

Der Chichibu-Tama-Kai Nationalpark ist ein riesiger Park, der von vielen Regionen aus gut zu erreichen ist. Ob man dabei dann mit dem Zug fährt oder mit dem Auto muss man natürlich selbst entscheiden und beides hat hierbei seine Vorteile. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass über schmale Bergstraßen zu fahren alles andere als ein Kinderspiel ist und dies auch den Magen ganz schön herausfordern kann.

Überhaupt sind der Chichibu-Tama-Kai Nationalpark und Nationalparks in Japan sehr drohnenfreundlich so lange man die Regeln befolgt und seine Mitmenschen respektiert. Beim nächsten Trip in den Chichibu-Tama-Kai wollen wir aber unbedingt auf den Berg Kinpu. Dabei werden wir allerdings etwas mehr Zeit einplanen und wohl auch etwas eher aus Tokyo losfahren müssen.

Ein weiterer schöner Kurs zum Wandern befindet sich mit dem Kumano Kodo in Wakayama. Zu unserem Trip entlang der Nakahechi Route haben wir auch einen ausführlichen Artikel geschrieben. Wer sich für Drohnenflüge in Japan interessiert, findet hierzu auch eine ausführliche Anleitung auf unserem Blog.

Weitere Informationen

Japan meine Liebe foto von Susann Schuster

Chichibu Tama Kai Nationalpark
Präfektur: Yamanashi
Webseite Park (EN)
Webseite Nationalparks Japan (EN)

Von Sebastian, 27. August 2021
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