Back to home
Guides

Arztbesuch & Krankenversicherung in Japan

Um einen Arztbesuch kommt man, wenn man in Japan lebt, über kurz oder lang nicht herum. Auch wenn man sich gesund ernährt und regelmäßig Sport treibt, kommt es irgendwann dazu, dass man sich eine nervige Infektion einfängt oder der Kontrollbesuch beim Zahnarzt fällig wird. Obwohl Japan im Großen und Ganzen gut ausgebildete Ärzte und moderne Kliniken bietet und das System der Krankenkasse dem von Deutschland ähnelt, gibt es dennoch so einige Dinge neben der Sprachbarriere, auf die man sich vorbereiten sollte, um nicht komplett überfordert oder einfach nur verwundert zu sein.

Die japanische Krankenversicherung: eine kleine Übersicht

Das japanische Gesundheitssystem in seiner heutigen Form lässt sich am besten verstehen, wenn man sich dessen Ursprünge vor Augen führt. Japans Krankenversicherungsprogramm ist eine Verbindung zweier separat entwickelter Systeme. Auf der einen Seite gibt es die Krankenversicherung für Arbeitnehmer und auf der anderen die nationale Krankenversicherung für Einwohner.

Das Krankenversicherungsgesetz von 1922 schreibt vor, dass den Beschäftigten von Unternehmen mit zehn oder mehr Beschäftigten eine Krankenversicherung über die sogenannten Betriebskrankenkassenverbände angeboten werden muss. Wie andere Teile des Krankenversicherungssystems bieten auch diese Verbände den Versicherten Leistungen und Tarife, die von der Regierung festgelegt werden.

Trotz des wackeligen Starts und der anfänglichen finanziellen Instabilität gewann das Programm an Schwung, als der Bedarf an Arbeitskräften für das Militär zunahm, und wurde 1934 auf Unternehmen mit fünf oder mehr Beschäftigten ausgeweitet. Aus diesen Programmen haben sich die beiden heutigen Arbeitgeber-basierten Krankenversicherungssysteme entwickelt. Eines für den öffentlichen Sektor und Großunternehmen und ein weiteres für die Beschäftigten von kleinen bis mittleren Unternehmen.

Die nationale Krankenversicherung (NHI) in ihrer heutigen Form wurde nach der Verabschiedung des nationalen Krankenversicherungsgesetzes im Jahr 1938 eingeführt, im selben Jahr, in dem das Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt gegründet wurde. Die Einführung der Wohnsitz gebundenen Krankenversicherung wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg erheblich erschwert. Außerdem gelang es der nationalen Krankenversicherung nicht, die gesamte Bevölkerung zu versichern, da die Gemeinden, die mit der lokalen Verwaltung des neuen Systems betraut waren, nicht beauftragt wurden, hierzu lokale Programme einzurichten.

Infolgedessen blieb 1956 etwa ein Drittel der Bevölkerung unversichert. Um dieses Problem zu lösen, wurde 1958 eine Änderung des nationalen Krankenversicherungsgesetzes verabschiedet, nach der alle Gemeinden verpflichtet wurden, Wohnsitz gebundene nationale Krankenversicherungsprogramme einzurichten und zu verwalten. Dieser Vorstoß führte dazu, dass die Bevölkerung bis 1961 vollständig versichert war.

Die nationale Krankenversicherung deckte damals 50 % der Gesundheitskosten ab. Im Jahr 1968 wurde die Leistung auf 70 % der Gesundheitskosten erhöht.

Zusammengefasst kann man also sagen, gibt es zwei Systeme, welche die Menschen in Japan heute versichern. Die Krankenversicherung für Angestellte von Unternehmen mit einer gewissen Mindestgröße und die Versicherung für alle anderen. Da der Grad der Versicherung im Großen und Ganzen der gleiche ist, werden wir hier nicht weiter auf die einzelnen Details eingehen. Wichtig ist nur, dass man auch bei einem entsprechenden Arbeitsverhältnis die Wahl hat, welche der beiden Versicherungen man abschließen möchte.

Alles zur Krankenversicherung in Japan

Jeder, der in Japan wohnt und ein Visum mit einer Dauer von über 3 Monaten hat, ist dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Bei der Anmeldung am ersten Wohnort wird man auch direkt darauf hingewiesen und die Anmeldung wird vorgenommen. Auch wenn man ein Visum mit einer geringeren Gültigkeit hat, aber plant, es zu verlängern, kann mit einem extra Formular und den nötigen Belegen von der Schule oder dem Arbeitgeber die Krankenversicherung abgeschlossen werden.

Bei einer Betriebskrankenkasse wird die Zahlung über das Gehalt abgerechnet und vorgenommen. Bei einer nationalen Krankenversicherung wird diese jährlich neu berechnet und muss monatlich bezahlt werden. Beim Abschluss einer Krankenversicherung erhält man zudem eine Versicherungskarte, welche bei Arztbesuchen oder in Apotheken vorgelegt werden muss. Es wird empfohlen, die Karte immer bei sich zu tragen.

Je nach Einkommen des Vorjahres kann die monatliche Zahlung reduziert (70 %, 50 % oder 20 % je nach Einkommen des Haushaltes) oder erhöht werden. Wenn nach einer neuen Berechnung zu viel bezahlt wurde, wird man darüber per Post informiert und kann eine Rückzahlung erhalten.

Im Krankheitsfall, oder beim Besuch einer Apotheke wird beim Vorlegen der Krankenversicherungskarte ein Großteil der Kosten von der Krankenversicherung übernommen:

  • Im Alter von 0 – 6 Jahren müssen 20 % der Kosten selbst getragen werden
  • Im Alter von 6 – 69 Jahren werden 30 % der Kosten selbst bezahlt
  • Im Alter von 70 – 74 Jahre werden im Normalfall 20 % der Kosten selbst getragen (30 % gelten hier für Menschen, die vor der Pension ein bestimmtes Einkommenslimit überschritten haben)
  • Ab 75 Jahren fällt man in eine Sonderkategorie und ist von allen Kosten vollständig befreit. Dieses System hat jedoch einen ungewollten Nebeneffekt. In vielen Krankenhäusern kommt es nicht selten vor, dass sich die Wartezimmer zu Treffpunkten für die Älteren entwickelt haben. Viele treffen sich dort vor allem, um soziale Kontakte aufrecht zu erhalten und wenn einmal ein bekanntes Gesicht nicht anwesend ist, sind es besorgte Stimmen wie: “Oh, Yamada-san ist heute gar nicht da, sie muss wohl krank sein.” Es sollte jedem klar sein, dass dieses nicht der Sinn und Zweck eines Krankenhauses sein kann.

Wenn die Behandlungskosten ein bestimmtes Level übersteigen, werden diese im Nachhinein erstattet. Um dies zu erreichen, kann beim Vorzeigen der Krankenversicherungskarte im Rathaus ein sogenanntes “Certificate of Eligibility” ausgestellt werden. Essenskosten im Krankenhaus belaufen sich übrigens auf ungefähr 460 Yen pro Mahlzeit.

Bei der Geburt eines Kindes gibt es eine Einmalzahlung von ungefähr 420.000 Yen pro Kind. Dieser Betrag wird auch bei einer Fehlgeburt ausgezahlt. Hierzu muss ein Antrag beim Rathaus gestellt werden. Folgende Dokumente werden hierfür benötigt:

  • Krankenversicherungskarte
  • Eltern- und Kind-Handbuch (Geburtsurkunde oder vom Arzt ausgestelltes Zertifikat im Falle einer Fehlgeburt)
  • Kostenbeleg für die Geburt
  • Persönlicher Siegelstempel (je nach Rathaus kann auch eine Unterschrift reichen)

Die nationale Krankenversicherung zahlt bei einem Todesfall eines Versicherungsmitgliedes einen Einmalbetrag von 70.000 Yen für die Bestattung. Um diesen Betrag zu erhalten, muss ein Antrag beim Rathaus gestellt werden. Hierfür wird Folgendes benötigt:

  • Sterbeurkunde
  • Versicherungskarte des Verstorbenen
  • Persönlicher Siegelstempel des Angehörigen (je nach Rathaus kann auch eine Unterschrift reichen)

Im Falle eines Verkehrsunfalles oder eines anderen Unfalles, an dem eine weitere Person beteiligt ist, werden die Kosten vom Verursacher des Unfalls getragen. Sollte der Verursacher die Kosten nicht tragen können, oder erst verspätet, kann ein Antrag beim Rathaus gestellt werden. In diesem Falle werden 70-90 % der Kosten sofort übernommen, welche später vom Verursacher gezahlt werden müssen. Hierfür wird Folgendes benötigt:

  • Beleg für den Unfall
  • Schreiben des aktuell nicht zahlungsfähigen Verursachers
  • Krankenversicherungskarte
  • Persönlicher Siegelstempel (je nach Rathaus kann auch eine Unterschrift reichen)

Die Zahlungen können nicht von der eigenen Krankenversicherung übernommen werden, wenn…

  • … bereits Kosten vom Verursacher bezahlt wurden oder wenn man sich außergerichtlich geeinigt hat.
  • … man sich am Arbeitsplatz oder beim Pendeln zur Arbeit verletzt hat (dies fällt dann unter die Arbeiter-Unfall-Versicherung).

Alle Mitglieder der Krankenversicherung im Alter von 40 bis 74 haben Zugang zu kostenlosen Gesundheitsangeboten und Untersuchungen. Hierzu wird einem eine spezielle Karte zugeschickt. Zu den Untersuchtungen zählen:

  • BMI
  • Blutdruck
  • Blutzucker
  • Urinanalyse
  • Funktion der Leber etc.

Menschen mit einem risikoreichen Lebensstil erhalten kostenlose Beratungen mit Fachpersonal, um den Lebensstandard zu verbessern. Nach 6 Monaten gibt es ein weiteres Treffen, wo man die Ergebnisse untersucht.

Dinge, die nicht von der Krankenversicherung abgedeckt sind, solange diese nicht mit gesundheitlichen Problemen einhergehen:

  • Schönheitsoperationen
  • allgemeine Untersuchungen
  • klinische Studien
  • Impfungen
  • gewöhnliche Schwangerschaften
  • Abtreibungen aus finanziellen Gründen
  • alternative Medizin
  • Pigmentspritzungen und andere Behandlungen, die nicht mit dem regulären Leben zusammenhängen
  • Arbeitsunfälle (fällt unter das System der Arbeiter-Unfall-Versicherung)
  • Verletzungen durch Streit oder Trunkenheit
  • Verletzungen, welche bei einer kriminellen Handlung entstanden sind
  • wenn die Vorgaben des Arztes oder des Versicherers ignoriert wurden

Die obigen Daten basieren auf den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vom Sumida Ward in Tokio herausgegebenen Informationen. Sie können größtenteils als allgemeingültig angesehen werden. Einzelheiten können sich jedoch je nach Stadt oder Präfektur unterscheiden.

Weitere Informationen zum System der Angestelltenkrankenversicherung findet man auf der offiziellen Webseite des japanischen Rentensystems auf Englisch.

Hausarztpraxis, Klinik, Krankenhaus, Facharzt: wohin gehen?

Wenn man aus Deutschland kommt, kennt man die Routine bei Arztbesuches sehr gut: Man besucht seinen Hausarzt, eventuell bekommt man eine Überweisung zu einem Facharzt und wenn es dann schlecht läuft, bekommt man eine Überweisung ins Krankenhaus.

In Japan stolpert man immer wieder über verschiedene Begriffe, die nicht unbedingt immer gleichzusetzen sind mit ihren deutschen Gegenstücken:

  • Das Krankenhaus (“Byouin” 病院): Ein Krankenhaus in Japan ist weitestgehend vergleichbar mit einem in Deutschland. Allerdings kann man in Japan auch ein Krankenhaus aufsuchen, wenn man eine mildere Erkrankung hat. Hierbei sollte allerdings bedacht werden, dass man somit für Verzögerungen sorgt, wenn es um die Behandlung von Menschen mit ernsteren Leiden geht. Es wird hier empfohlen, im Vorfeld einen privaten Arzt aufzusuchen, wenn es kein Notfall ist.
  • Die Klinik (“Kuriniku” クリック): Diese ist oftmals die Bezeichnung für eine private Arztpraxis mit einer Spezialisierung. In Japan ist es eher ungewöhnlich, dass man einen Allgemeinmediziner findet, da in der Regel fast alle Ärzte bereits eine Spezialisierung haben. Diese Kliniken gibt es, besonders in den Städten an allen Ecken in den verschiedensten Arten und Größen. Die wichtigsten sollen hier einmal vorgestellt werden:
    • Zahnärzte (“Shika” 歯科) gibt es in Japan wie Sand am Meer und so sollte es kein Problem sein, einen passenden für sich zu finden. Hier sei allerdings erwähnt, dass Zahnreinigungen in der Regel nicht vom Zahnarzt durchgeführt werden. Hierfür gibt es spezielle Kliniken.
    • Die innere Medizin (“Naika” 内科) ist auf die Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten bei Erwachsenen spezialisiert.
    • Die allgemeine Chirurgie (“Geka” 外科) ist darauf spezialisiert, Menschen mit potenziellen chirurgischen Problemen zu untersuchen und chirurgische Eingriffe und Techniken durchzuführen.
    • In der Urologie (“Hinyoukika” 泌尿器科) werden Erkrankungen des Harnsystems bei Männern und Frauen sowie Störungen des männlichen Fortpflanzungssystems diagnostiziert und behandelt.
    • Die Dermatologie (“Hifuka” 皮膚科) kümmert sich um Krankheiten und Zustände der Haut, der Haare oder der Nägel.
    • Der Augenarzt (“Ganka” 眼科) behandelt Augenprobleme, -krankheiten und -verletzungen.
    • Bei der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (“Jibiinnkouka” 耳鼻咽喉科) geht es um Krankheiten oder Zustände der Ohren, der Nase und des Rachens.
    • Die Kinderheilkunde (“Syounika” 小児科) spezialisiert sich auf die Betreuung von Kindern bis zu 15 Jahren.
    • Die Geburtshilfe und Gynäkologie (“Sanfujinka” 産婦人科) ist auf die Betreuung schwangerer Frauen spezialisiert, von der Empfängnis bis zur Geburt und der Zeit danach.
    • Die Psychiatrie (“Seishinka” 精神科) diagnostiziert Verhaltensstörungen oder psychologische Probleme im Zusammenhang mit bekannten oder vermuteten neurologischen Erkrankungen.

Wer nicht sicher ist zu welchem Arzt er gehen sollte, und wo vielleicht auch wirklich englischsprachiges Personal zugegen ist, der kann auf der Webseite des Himawari Service mehr Informationen zu passenden Ärzten in Kliniken finden.

Telefonische Hilfe in Englisch, Chinesisch, Thailändisch, Koreanisch und Spanisch kann man beim Medizinischen Informationscenter für Ausländer bekommen. Die Hotline ist täglich von 09:00 bis 20:00 erreichbar unter der Nummer 03-5285-8181

Wie wir sehen, gibt es in der Regel keine Hausärzte in Japan, wie man sie vom deutschen System kennt, allerdings gehen viele Japaner zum Arzt für innere Medizin (Naika), um ihre regelmäßigen Gesundheitschecks zu machen.

Im Falle einer Krankheit einen Arzt besuchen

Wie läuft das nun also ab, wenn man Beschwerden hat und einen Arzt aufsuchen möchte? Auch wenn es sich von Klinik zu Klinik ein wenig unterscheiden kann, sind die allgemeinen Abläufe recht ähnlich. Als Erstes meldet man sich bei der Rezeption, teilt den Grund des Besuchs mit und gibt seine Krankenversicherungskarte ab.

Beim ersten Besuch wird man in der Regel einen allgemeinen Fragebogen zum Gesundheitszustand ausfüllen müssen, wobei dieser normalerweise auf Japanisch ist. Dennoch lässt er sich mit grundlegenden Sprachkenntnissen und einer Übersetzungsapp mit Fotoübersetzung recht gut ausfüllen. Diesen Bogen gibt man ab und nach etwas Wartezeit wird man dann zum Arzt hineingebeten. Hier gibt es natürlich wieder die Sprachbarriere und selbst Kliniken, die auf ihrer Webseite mit Englisch werben, haben oftmals niemanden vor Ort, der die englische Sprache beherrscht.

Beim Betreten des eigentlichen Untersuchungszimmers kann man je nach Größe das Gefühl bekommen, sich in einem kleinen Krankenhaus zu befinden. Zahlreiche Trennwände unterteilen den Raum in Arbeitsbereiche verschiedener Ärzte. Auch zahlreiche Arzthelferinnen weisen einem den Weg. Neben der Untersuchung beim Arzt kann es sein, dass man dann mit einer Schwester in einen anderen Raum geht, um dort weitere Untersuchungen vornehmen zu lassen. Je nach Situation und Klinik verlässt man eventuell den Untersuchungsraum nach den Tests noch einmal, worauf die Schwestern die Ergebnisse dem Arzt mitteilen, der dann die weitere Behandlung ausarbeitet.

Nach einer Weile wird man wieder hereingerufen und wird dann weiteren Untersuchungen unterzogen, oder bekommt vom Arzt erklärt, welche Medikamente genommen werden sollten und auf was noch geachtet werden muss. Manchmal gibt es auch bereits eine kleine Behandlung vor Ort. Bei einer Mandelentzündung wird man z. B. an einen elektronischen Inhalator gesetzt. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass die Ärzte und die Schwestern immer sehr freundlich und geduldig mit einem sind. Es ist dabei natürlich auch wichtig, keine Scheu zu zeigen, wenn man etwas nicht verstanden hat und den Arzt noch einmal zu fragen. Niemand möchte aufgrund von Missverständnissen eine falsche Behandlung, auch nicht der Arzt selbst.

Ist man bereit zu gehen, wird man noch einmal zur Rezeption gerufen und bekommt die Rechnung. Wie bereits oben erwähnt, wird man einen kleinen Teil der Kosten selbst tragen müssen. Diese beliefen sich bei uns im Schnitt auf 3.000 Yen, mal mehr, oder auch etwas weniger.

Eine Apotheke in Japan aufsuchen

Die Apotheke wird in Japan (“Yakyokku” 薬局) genannt und befindet sich meistens im gleichen Gebäudekomplex wie der Arzt oder nicht weit entfernt. Nicht verwechseln sollte man diese mit den Drogerien, welche ebenfalls oftmals ein großes Kanji für Medikamente (薬) vorweisen. Hier bekommt man ausschließlich rezeptfreie Medikamente. Die Apotheken wiederum sind auf rezeptpflichtige Medikamente spezialisiert.

Bei einer nicht abklingen wollenden Erkältung passierte es uns einmal, dass wir sogar Tabletten gegen Schnupfen bekamen, die allerdings so stark auf den Kreislauf einschlugen, dass man das Gefühl bekam, tagelang high zu sein. Das Fachpersonal erklärt einem genau, wann welches Medikament einzunehmen ist und ist auch dafür da, alle eventuellen Fragen zu beantworten.

Zusätzlich hat man noch die Möglichkeit, ein kleines Medikamentenbuch (“Kusuri Techou” 薬手帳) zu bekommen. Entweder man wird direkt gefragt, ob man ein solches hat, oder man kann selbst danach fragen, um eines zu bekommen. Diese Hefte sind oftmals kostenlos und haben den Zweck, die Einnahme von Medikamenten besser zu überblicken. Die Apotheke klebt einen Aufkleber mit allen Medikamenten hinein, die man nehmen soll mit einigen extra Informationen. Dazu kann man selbst einige Notizen hineinschreiben und auch allgemeine Gesundheitsinformationen hinterlegen, wodurch der zukünftige Besuch beim Arzt und der Apotheke für alle schneller abläuft.

Nachdem man seine Medikamente erhalten hat und eventuellen Fragen beantwortet wurden, wird man natürlich auch hier zur Kasse gebeten. Dies ist in der Regel nicht viel teuer als bei “normalen” Medikamenten. Der Endpreis hängt selbstverständlich auch von der eigenen Krankheit ab.

Kostenfreie Untersuchungen für Bürger und Arbeitnehmer

Wie bereits weiter oben erwähnt, werden dem Versicherten zahlreiche kostenfreie Untersuchungen angeboten. Auch jährliche Untersuchungen bei Angestellten sind keine Seltenheit. Diese werden in der Regel vom Arbeitgeber finanziert. Das bedeutet, dass Angestellte die Möglichkeit haben, kostenlos verschiedene medizinische Untersuchungen machen zu lassen. Dabei geht es vom allgemeinen körperlichen Befinden bis zum kleinen Blutbild und auch zu weiteren Optionen, aus denen man selbst je nach Antrag wählen kann.

Man merkt also recht schnell, dass sehr genau darauf geachtet wird, dass die Bevölkerung gesund bleibt. Zahlreiche kostenfreie Tests und Beratungsangebote animieren die Menschen dazu, auf sich achtzugeben. Diese kostenlosen Angebote können sich allerdings je nach Bezirk und Stadt unterscheiden. Im Zweifel einfach mal das Personal vom Rathaus fragen. Manche Regionen, wie z.B. Sumida-ku in Tokio, geben einem bei der Anmeldung einen ganzen Stapel von Heften mit, wo man über alles im Detail informiert wird: die Regeln der Krankenkasse, die Abläufe und welche erweiterten Angebote es noch gibt, die man nutzen kann.

Was tun bei psychischen Beschwerden?

Es gibt natürlich nicht nur das Problem einer körperlichen Verletzung. Auch unsere Seele ist in der heutigen Zeit immer mehr dem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt und psychische Krankheiten wie auch Depressionen sind leider keine Seltenheit mehr. Dieses Thema ist aktuell nicht einfach in Japan und hier muss man zwischen 3 Angeboten unterscheiden:

Als Erstes gibt es die Möglichkeit, einen Psychiater zu besuchen. Psychiaterinnen und Psychiater arbeiten in der Regel in Krankenhäusern oder haben eine Praxis in einer örtlichen Klinik. Die Beratungszeiten sind in der Regel kurz, weniger als 30 Minuten, wenn man die japanische Krankenversicherung nutzen möchte. Möchte man darüber hinaus längere Sitzungen, wird man die Kosten selber tragen müssen. Psychiater haben die Möglichkeit, Medikamente zu verschreiben, die dann von der Krankenversicherung übernommen werden.

Die zweite Möglichkeit ist die psychosomatische Medizin. Hierbei geht es vor allem darum, wenn sich psychischer Stress und andere Krankheiten auf das physische Wohlbefinden auswirken, also wenn bereits ein körperliches Leiden besteht. Diese Ärzte arbeiten in der Regel in entsprechenden Kliniken und können ebenfalls entsprechende Medikamente verschreiben.

Als letzte Möglichkeit gibt es noch die klinische Psychologie. Diese bietet längere und regelmäßige Sitzungen an, sowohl in der Klinik als auch online per Videochat. Das Problem hierbei ist, dass diese Behandlung nicht von der Krankenkasse abgedeckt wird und jede Sitzung selbst bezahlt werden muss. Darüber hinaus gibt es in Japan bisher noch keinen staatlichen Standard für die Ausbildung der Psychologen, sodass die Ergebnisse der Sitzungen und Tests stark variieren können.

Zusätzlich sollte hier noch einmal die International Mental Health Professionals Japan (IMHPJ) erwähnt werden. Dies ist ein Netzwerk von Menschen und Organisationen, die psychische Gesundheitsfürsorge und damit verbundene Dienstleistungen für die Menschen der verschiedenen in Japan lebenden Nationalitäten anbieten.

Das Problem mit der Sprachbarriere

Auch wenn man natürlich versuchen sollte, schnellstmöglich die Sprache des Landes zu lernen, sieht es in der Realität natürlich oftmals anders aus. Wenn man als Sprachstudent in das Land kommt, geht man ja immerhin nach Japan, um dort die Sprache zu lernen. Außerdem sollte man immer bedenken, dass einen schnellen Plausch mit Freunden oder Kollegen halten, noch einmal etwas anderes ist, als sich vom Arzt erklären zu lassen, was mit dem eigenen Körper aktuell nicht stimmt. Auch die Dokumente, die es auszufüllen gilt, enthalten viele Wörter und Schriftzeichen, denen man im Alltag natürlich erst einmal nicht begegnet.

Nun hat man die Möglichkeit, ein wenig Nachforschung zu betreiben, denn gerade in den großen Städten gibt es einige Kliniken und auch Krankenhäuser, welche sich auch auf die Behandlung von Nicht-Japanern spezialisiert haben. Hierbei kann es dann aber noch eine weitere Hürde geben: die Krankenversicherung. Gerade internationale Kliniken, die eigentlich perfekt wären für den neuen Einwanderer, nehmen nicht immer Patienten der nationalen Krankenversicherung an. Diese haben sich dann darauf spezialisiert, Menschen mit einer internationalen Krankenversicherung zu behandeln. Daher würden die 70 % der Kosten, die bei anderen Kliniken von der Krankenkasse übernommen werden, hier nicht wirken.

Auf der Suche nach einem englischsprachigen Arzt kann die Webseite von Japan Healthcare info helfen. Sie bietet auch eine Kontaktmöglichkeit, sodass man auch in weniger gut vernetzten Regionen einen passenden Arzt finden kann.

Viele offizielle Webseiten von größeren Städten bieten außerdem eigene Informationsseiten zur Krankenversicherung und weiterführende Links an. Also, auch wenn alles erst einmal ein wenig zermürbend wirkt, sollte man sich nicht unterkriegen lassen.

Was tun im Notfall?

Was macht man in einem Notfall? Die Rufnummer für Krankenwagen wie auch für die Feuerwehr in Japan ist 119. Wenn man selbst keinen Krankenwagen rufen kann und niemand in der Nähe ist, den man kennt, kann man Menschen in der Nähe mit der Bitte “Kyuukyuusha o yonde kudasai” (救急車を呼んでください) darum bitten, einen Krankenwagen zu rufen. Hierbei sei noch einmal erwähnt, dass der Krankentransport kostenfrei für den Verletzten ist. Dennoch sollte man natürlich darauf achten, diesen nicht wegen Kleinigkeiten zu rufen.

In den Feuerwehren von Tokio gibt es englischsprachige Mitarbeiter, allerdings sind diese nicht überall anzutreffen. Wenn du mit einem Mitarbeiter auf Englisch sprichst, sprich bitte langsam und deutlich, besonders wenn du deine Adresse angibst:

  • Erkläre der Vermittlung, ob du sie wegen eines Brandes und/oder eines medizinischen Notfalls anrufst.
  • Nenne die Art und den Zustand der Verletzung oder Krankheit, einschließlich wann, wo und wie.
  • Sage der Vermittlung deinen Namen, deine Telefonnummer und die Adresse deines Standortes. Wenn du die genaue Adresse nicht kennst, versuche, die Umgebung so detailliert wie möglich zu beschreiben (z. B. nächster Bahnhof, Name der Kreuzung, nahe gelegene Sehenswürdigkeiten). Viele Gebäude haben an ihren Hauswänden Plaketten mit der genauen Bezeichnung des Blocks. Sowas wie, 押上3丁目 (Oshiage san choume).
  • Bitte bleib so lange im Gespräch bis die Vermittlung die oben genannten Informationen aufgenommen hat bzw. bis die Vermittlung aufgelegt hat.
  • Wenn du die Sirenen hörst, musst du den Krankenwagen/Feuerwehrwagen auf dich aufmerksam machen (oder jemanden schicken).

Vor allem, wenn man wirklich eine längere Zeit in Japan bleiben will, sollte man sich die wichtigsten Wörter und Sätze merken und vielleicht auch die eigene Nachbarschaft ein wenig genauer erkunden, sodass man im Zweifel auch den Weg beschreiben kann.

Die Reisekrankenversicherung und die internationale Krankenversicherung

Auch wenn dieser Artikel vor allem auf Menschen abziehen soll, die eine längere Zeit in Japan leben, möchte ich an dieser Stelle noch einmal die alternativen Krankenversicherungen aufgreifen, welche man abschließen kann, wenn man im Urlaub ist oder ein Working Holiday macht. Wie bereits oben erwähnt, kann man direkt beim Anmelden des Wohnsitzes eine nationale Krankenversicherung abschließen. Das gilt für Sprachstudenten ebenso wie für Menschen mit einem Praktikantenvisum oder Working Holiday.

Dennoch hat man bei diesen Visa-Varianten auch die Möglichkeit, eine internationale Krankenversicherung im Heimatland abzuschließen. Dies hat in der Regel den Vorteil, dass man zwar erst einmal den entsprechenden Betrag vorstrecken muss, am Ende aber alle Behandlungskosten erstattet bekommt und nicht wie bei der nationalen Krankenversicherung 30 % selbst zahlen muss.

Wenn man eine internationale Krankenversicherung hat, kann es dennoch sein, dass das nette Personal im Rathaus einem die nationale Krankenversicherung andrehen will. Hierbei sei gesagt, dass es je nach Visum kein Problem ist, in Japan mit der internationalen Krankenversicherung zu leben und wenn man diese bereits hat, muss man auch nicht für zwei Versicherungen bezahlen.

Sollte man das Land als Tourist besuchen, ist es jedoch nicht möglich, die nationale Krankenversicherung in Japan zu erhalten. Eine Reisekrankenversicherung im Heimatland abzuschließen ist vergleichsweise günstig und sollte immer in Betracht gezogen werden. Insbesondere im Notfall ist man so bestens abgesichert.

Mit einer internationalen Krankenversicherung oder einer Reisekrankenversicherung kann man theoretisch jeden Arzt und jede Klinik in Japan aufsuchen. Dennoch kann es ein wenig verwirrend sein für das Personal, wenn man ihnen erst einmal klarmachen muss, dass man komplett in bar bezahlt und dann die Rechnung für die internationale Krankenversicherung braucht. Hierbei lohnt es sich dann eher, wenn es möglich ist, ein internationales Klinikum aufzusuchen, welches direkt die internationalen Krankenversicherungen unterstützt. Auch hier sei noch einmal erwähnt, dass es ratsam ist, seine Versicherungsunterlagen ebenso wie seine Personalien immer bei sich zu tragen.

Auf den eigenen Bauch hören

Auch wenn wir selbst noch keine allzu großen negativen Erfahrungen in Japan mit dem Gesundheitssystem machen mussten, gibt es selbstverständlich auch hier immer wieder schwarze Schafe unter den Ärzten. Auch die direkte persönliche Bindung zum Arzt fehlt natürlich durch den Mangel an typischen Hausärzten. Daher ist es besonders wichtig, auch auf sein Bauchgefühl zu hören. Nimmt sich der Arzt Zeit für mich? Ignoriert er meine Fragen oder reagiert unfreundlich? Habe ich vielleicht Zweifel an seiner Diagnose? Dann ist es besser, eine zweite Meinung einzuholen oder gleich einen anderen Arzt zu suchen.

Besonders in den großen Städten ist das in der Regel kein Problem. Wichtig ist, dass man seinem Arzt vertrauen kann, denn man legt ihm seine Gesundheit, wenn nicht gar sein Leben in die Hände. Auch wenn das Gesundheitssystem in Japan eines der besten der Welt ist, ist auch ein Arzt nur ein Mensch. Wenn wir unserem Arzt nicht vertrauen können, wem denn dann?

Niemand möchte gerne krank werden…

…, doch manchmal passiert es einfach. Auch regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um zu verstehen, wie es um den eigenen Körper steht und was man machen kann. Natürlich ist das nicht etwas, worüber man nachdenken möchte, wenn man eine längere Zeit in Japan bleiben will oder ganz nach Japan ausgewandert ist. Dennoch ist es eines der Dinge, welches einem schon bei der Anmeldung des Wohnorts begegnet und somit muss man sich wohl oder übel damit befassen. Und wer möchte im Falle eines Falles schon ratlos dastehen, wenn man besser schnell handeln sollte?

Das Gesundheitssystem in Japan ist sicherlich nicht perfekt, aber es ist eines der besten auf unserem Planeten und so sollte sich niemand davor scheuen, sich ein wenig intensiver damit zu befassen. Also schaut euch die Unterlagen an, die euch eventuell sogar vom Rathaus mitgegeben wurden, nutzt die Suchmaschine eurer Wahl oder fragt im Zweifel Kollegen oder Freunde und vor allem: bleibt gesund!

Die Japaner werden in der Welt am ältesten und hier spielt auch die Ernährung eine große Rolle. Insbesondere Okinawa ist dafür bekannt.

Von Sebastian, 6. August 2021
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über uns
Lieben heißt verstehen
Die positiven wie auch die schwierigen Seiten der neuen Heimat lernt man erst nach einer ganzen Weile wirklich kennen. Seit 2018 leben wir nun in Japan und möchten dieses aufregende und doch nicht immer unbeschwerte Erlebnis mit euch teilen. Hier veröffentlichen wir Reiseberichte und mehr über unser tägliches Leben in Japan.
Unser Partner