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Leben in Japan

Der Conbini, ein amerikanischer Import, neu interpretiert

Der Conbini gehört zum Leben der meisten Menschen in Japan. Wenn man Japan bereits besucht hat, oder vielleicht schon eine Zeit in Japan lebt, gibt es so einige Dinge, welche man umgehend mit dem Land und dem täglichen Leben in Verbindung bringt. Der Conbiniist ein fester Bestandteil eines jeden Stadt oder Kleinstadtbild. Auf den ersten Blick wie ein kleiner Supermarkt hat ein solcher Convenience Store für die Anwohner oftmals noch viel mehr zu bieten.

Ein amerikanischer Import

Bereits im Jahr 1969 wurde der erste Conbini in Japan eröffnet, 1973 der erste Family Mart in Saitama. Als dann im Jahr 1974 die japanische Ito-Yokado Co. Ltd. gemeinsam mit der Southland Corporation of the United States den ersten 7-Eleven in Toyosu (Koto-ku, Tokyo) eröffnete, kam das Geschäft der Conbinis in Japan nach und nach immer mehr ins Rollen. Bis heute hat die Marke in Japan die meisten Zweigstellen, doch es sollte nicht alleine bei 7-Eleven und dem Family Mart bleiben. Heute findet man gefühlt an jeder Straßenecke einen Conbini oder oftmals gleich mehrere.

Bevor Convenience Stores diesen phänomenalen Erfolg in Japan erreichen konnten, waren sie jedoch dazu gezwungen, Führungspraktiken aus den USA zu übernehmen und eigene für Japan bisher unbekannte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zwei wesentliche Faktoren, warum ihre Position auf dem japanischen Markt heute so gefestigt ist, sind ihre zahlreichen einzigartigen Produkte und ihr einmaliges Vertriebssystem.

So entwickelten die Geschäfte zum Beispiel eigene Varianten für typische Lebensmittel, darunter Onigiri und Oden. Dank ihres umfassenden, sehr anpassungsfähigen Vertriebssystems begannen sie, gekühlte und verpackte Mahlzeiten mehrmals täglich an die Filialen zu liefern. Außerdem ermöglichte das im Jahr 1982 eingeführte Point-of-Sales (POS)-System von 7-Eleven den Filialen die Kontrolle über den Bestand, die Produktbestellung und die Lieferungen.

Intensiver Wettbewerb

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre erreichte die Welle der Filialeröffnungen ihren Höhepunkt. Dies war auch eine Zeit des intensiven Wettbewerbs unter den einzelnen Ketten. Viele bemühten sich um eine Vormachtstellung in einem bestimmten Gebiet, um die Liefereffizienz zu erhöhen und auch eine größere Sichtbarkeit bei den lokalen Verbrauchern zu erreichen. Selbst in der Zeit, als die Wirtschaft in den frühen 90er-Jahren zusammenbrach, schafften es die Conbinis, diese Zeit weitgehend unbeschadet zu überstehen.

Viele Menschen aus dem Westen, die vielleicht einmal in den USA im Urlaub waren, oder auch in Deutschland in ihrer Heimatstadt einen kleinen Tante-Emma-Laden/Späti haben, mögen eventuell ein etwas anderes Bild dieser Geschäfte haben. Oftmals sind sie ein wenig schrullig im Anblick und vielleicht auch nicht unbedingt der Laden, in welchem man nach Anbruch der Dunkelheit gerne einkaufen gehen würde. Es ist oftmals ein Ort, um Alkohol oder Süßwaren oder ein abgepacktes Eis zu kaufen. Das Angebot ist meistens relativ beschränkt und das Wort “einladend” fällt auch nicht allzu häufig.

Auch innerhalb Asiens ist der japanische Conbini einzigartig

Nicht nur in Japan findet man Conbinis, auch in Taiwan und Südkorea gibt es Geschäfte der Ketten Family Mart und 7-Eleven. Dennoch reicht die Produktpalette und auch der Service nur schwerlich an das heran, was den Menschen in Japan geboten wird. Ein Conbini wird in Japan nicht nur für den schnellen Einkauf benutzt, sondern hier werden Pakete verschickt, Versicherungen abgeschlossen, Rechnungen bezahlt, Tickets für Konzerte und Sport-Events gekauft und verschiedene Gerichte für die Feiertage bestellt.

Neben Nahrungsmitteln bekommt man in einem Conbini auch alles Wichtige für den täglichen Bedarf: von Hygieneprodukten über Batterien, Kabel für Smartphones und sogar verschiedene Medikamente, die einem dabei helfen sollen, den Magen wieder in den Griff zu bekommen, wenn man zu viel gegessen oder Alkohol getrunken hat.

Immer wieder bieten Conbinis ihren Kunden auch Sitzplätze an, wo die Kunden ihr gekauftes Essen direkt zu sich nehmen können. Sporadisch gibt es diese Sitzecken beim 7-Eleven, bei Lawson, häufiger beim Family Mart. Bei den Conbinis der Kette Ministop sind sogar beinahe immer Sitzplätze vorhanden.

Neben abgepackten Bentoboxen, Tiefkühlkost, Süßigkeiten und Gebäck bietet jeder Conbini außerdem eine gute und regelmäßig erweiterte Auswahl von frisch zubereiteten Snacks an. In der kalten Jahreszeit wird oftmals Oden angeboten, dazu gibt es Yakitori, frittiertes Hühnchen, Nikuman, Corndogs und sogar Pommes.

7-Eleven, die größte Marke mit einem Hang zum Spenden und Nachhaltigkeit

Nicht nur war der Original 7-Eleven der Conbini, welcher den Trend in Japan eigentlich auslöste, die Marke hat sich innerhalb Japans auch der Nachhaltigkeit verschrieben. Hier werden z.B. Produkte angeboten, deren Folien aus kompostierbarem Material hergestellt sind. Auch die Farbe der genutzten Tinte besteht bei den Hausmarken immer mehr aus natürlichen Farbstoffen. Zudem gehört 7-Eleven zu den Marken in Japan, die regelmäßig Nahrungsmittel an Lebensmitteltafeln wie z. B. Second Harvest Japan spenden.

Die Marke 7-Eleven ist für viele Besucher auch ein bekannter Halt aufgrund ihrer zahlreichen 7-Bank Geldautomaten. Diese findet man nicht nur im Conbini selbst, sondern auch in Einkaufszentren und an Bahnhöfen. Hier ist es ohne Probleme möglich, Geld mit der Kreditkarte abzuheben. An diesen Automaten kann man auch seine IC Karten (Pasmo, Suica etc.) aufladen, sowie Guthaben für LinePay oder PayPay. Kopierer und Drucker vor Ort werden ebenso von vielen Kunden genutzt. Hier kann eine Datei direkt vom Smartphone übertragen und ausgedruckt werden.

Im Kühlregal sind es vor allem die Ramen, welche im Laden direkt aufgewärmt werden können, die besonders beliebt und wirklich lecker sind. An der Kasse werden neben Nikuman auch Nanakara (Karaage), Karaagebo (Karaage am Spieß) und American Corndogs angeboten. Seit dem Frühjahr 2021 bekommen immer mehr 7-Eleven Filialen ein neues Kassensystem, wo der Kunde an einem Bildschirm seine Bezahlmethode auswählt und dann direkt am Automaten bar, per Smartphone etc. bezahlen kann.

Family Mart, der Conbini für die Familie

1972 entstand im Planungsbüro von The Seiyu Stores Ltd. die Idee, eine eigene Filialabteilung zu gründen. Im September 1973 eröffnete man dann auch bereits den ersten Convenience Store in Sayama (Präfektur Saitama), doch erst im September 1981 gründeten die Seiyu Stores die Family Mart Co. Ltd. und übertrugen Geschäft und Eigentum. Heute befindet sich der Family Mart, wenn man nach der Anzahl der Zweigstellen in Japan geht, auf Platz 2 hinter 7-Eleven. Wenn man in Okinawa unterwegs ist, trifft man hier auch vor allem auf diese Kette.

Für viele Menschen ist beim Conbini der Kette Family Mart der Name auch Programm. Dadurch dass es oftmals zahlreiche Sitzplätze gibt, wird dieser Conbini regelmäßig von kleinen Familien besucht. Besonders beliebt ist hier das Famichiki, paniertes Hühnchen in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Dabei kommt es nicht selten vor, dass kaum noch eine Auswahl vorhanden ist, wenn man zur falschen Zeit in den Laden kommt.

Neben den frisch zubereiteten Snacks an der Kasse, den abgepackten Lebensmitteln und frischem Obst und Gemüse bietet auch der Family Mart eine große Auswahl an allem, was man für den täglichen Bedarf benötigt. Auch die Backwaren, die hier verkauft werden, erfreuen sich bei den Kunden großer Beliebtheit.

Viele weitere Services werden geboten

Man kann hier einen Geldautomaten nutzen, welcher von der Japan Postbank betrieben wird. Dieser ist auch mit internationalen Kreditkarten kompatibel und ermöglicht es Reisenden, Geld unkompliziert abzuheben.

Zudem gibt es einen Drucker und Kopierer, welche mit dem Webservice Networkprint kompatibel sind. Hier können über den Browser einfach Dateien hochgeladen werden, um diese dann in einem beliebigen Family Mart auszudrucken. Networkprint bietet darüber hinaus auch an, dass man die zu druckenden Dateien per Line Messenger einsenden kann.

Zum Abschluss gibt es in jedem Family Mart noch den Fami Port, wo Tickets gekauft werden können und viele weitere Services mit Bezug zum Family Mart, Rakuten uvm.

Lawson, eine amerikanische Marke, die beinahe Pleite ging

Es begann im Jahr 1939. als J.J. Lawson überlegte, wie er seinen Kunden die Milch am besten nach Hause liefern könnte. Der Besitzer der Molkerei in Ohio hatte die zündende Idee: anstatt die Milch von Haus zu Haus zu liefern, wäre es doch viel besser, wenn die Leute kommen und sie direkt bei ihm abholen würden. So eröffnete er einen einfachen kleinen Laden, aus dem später die Lawson’s Milk Company hervorgehen sollte. Wenn man heutzutage Leute in Ohio nach Lawson’s Convenience Store fragt, bekommt man nur nostalgische Bemerkungen von älteren Leuten zu hören, welche sich noch an die Werbemelodie erinnern.

Obwohl die Kette in den 1980ern bereits rund 700 Standorte verzeichnen konnte, verkaufte die Eigentümerin Sara Lee die Marke 1985 an Dairy Mart. Dairy Mart meldete kurz darauf Konkurs an und die Kette wurde an das kanadische Unternehmen Alimentation Couche-Tard Inc. verkauft. Im Jahr 1975 ging man dann eine Partnerschaft mit dem japanischen Einzelhändler Daiei ein. Das Hauptziel war es, ein völlig neues Franchise in Toyonaka zu eröffnen.

Heute ist die Marke Lawson nach 7-Eleven und Family Mart die drittgrößte Conbini Kette in Japan. Hierbei gibt es sogar noch eine Besonderheit: Neben dem regulären Lawson, welchen man mit den Konkurrenten vergleichen kann, gibt es noch den Lawson 100, in welchem man den Großteil aller Produkte für 100 Yen plus Steuer bekommen kann. Zusätzlich gibt es auch noch Natural Lawson, welcher ein wenig hochpreisiger ist, und dabei vor allem von Menschen aufgesucht wird, die ihre Lebensmittel bewusster aussuchen und wert auf Gesundheit legen (Vegetarier, Veganer etc.).

Auch der Lawson ist mehr als nur ein Supermarkt

Natürlich gibt es auch beim Lawson die übliche Produktpalette aus Frischwaren, Instant-Nudeln, Haushaltswaren usw. Dazu gesellt sich wie auch beim Family Mart ein Networkprint kompatibler Drucker und Kopierer und die berühmten Loppi Maschinen. Diese sehen ähnlich aus wie ein ATM und bieten verschiedene Services. Hierzu gehören der Ticketkauf direkt an der Maschine. Darunter befinden sich Tickets für Konzerte, Sportevents, oder auch ganz exklusiv die Tickets für das berühmte Ghibli Museum in Miitaka (Tokyo). Ein Geldautomat darf natürlich auch hier nicht fehlen.

Es gibt auch auch hier verschiedenste Möglichkeiten, seine Rechnungen zu bezahlen oder seine gesammelten Ponta Punkte gegen Prämien einzutauschen. Der Lawson veranstaltet außerdem regelmäßig, wie andere Conbinis auch, gesponserte Events, wo man über einen festgelegten Zeitraum spezielle Produkte direkt erwerben kann oder saisonale Punkte sammeln kann, welche dann ebenfalls gegen spezielle Produkte wie Geschirr, Handtücher, Tragetaschen und mehr eingetauscht werden können.

Ein Produkt welches beim Besuch eines Lawson auffällt ist Karaagekun. Diese frisch zubereiteten frittierten Hähnchennuggets erinnern ein wenig an Chicken McNuggets wie man sie von McDonald’s kennt. Dennoch gibt es Karaagekun in zahlreichen wechselnden Geschmacksrichtungen (Mayonnaise, Zitrone, Sojasoße etc.). Als kleine Randnotiz sei erwähnt, dass Karaagekun am 15.04.2021 35 Jahre alt geworden ist, was in jedem Lawson auch gebührend mit Angeboten gefeiert wurde.

Viele Conbinis mit jeweiligen Besonderheiten

Neben den hier vorgestellten 3 Ketten gibt es in Japan noch weitere Namen, die einem überall begegnen. Dazu gehören unter anderem Ministop, Tsunkus und Aeon. Viele Conbinis ähneln sich auf dem ersten Blick, doch im Detail haben sie alle ihre Besonderheiten, was für ihre Daseinsberechtigung sorgt. Viele Menschen haben daher auch ihren eigenen Lieblings-Conbini, wobei ich mich zwar zum Team Lawson zähle, dennoch auch regelmäßig bewusst in anderen Läden einkaufe. Bei uns in der Nachbarschaft sind die Mitarbeiter nicht nur freundlich, sondern auch regelmäßig zum Scherzen aufgelegt.

Wenn man längere Zeit in Japan verweilt, sollte man dennoch nicht alles im Conbini kaufen. Oftmals sind die Preise etwas höher im Vergleich zum Supermarkt. Dennoch ist ein Conbini auch regelmäßig der perfekte Stop, wenn man bei einer Radtour durch die Stadt etwas Hunger bekommt oder im Sommer die Sonnencreme ausgegangen ist. Mehr zum Thema Radfahren in Japan findet ihr in folgendem Artikel: Mit dem Fahrrad durch Japans Städte (japanmeineliebe.de)

Eine kleine Empfehlung möchte ich hier am Ende aber dennoch geben: Die 4er Packs Batterien vom Lawson 100 sind in ihrer Qualität kaum zu schlagen. Wer also wirklich günstige Batterien mit einer langen Lebensdauer sucht, der ist bei Lawson 100 gut aufgehoben.

Von Sebastian, 23. April 2021
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