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Leben in Japan

Das Edo Tokyo Museum: eine Reise in die Vergangenheit

Heute nehmen wir euch mit auf eine Reise in die Vergangenheit in das Edo Tokyo Museum! Da es am Wochenende regnete, entschieden wir uns, dem Museum einen Besuch abzustatten. Dieses wurde im Jahr 1993 eröffnet und bietet den Besuchern eine Reise durch die 400-jährige Geschichte von Tokyo, welches bis 1868 noch Edo genannt wurde. Hier erfährt man unglaublich viel über das Leben und die Kultur der damaligen Zeit.

Die Dauerausstellung (5./6. Etage) befindet sich auf einer Fläche von knapp 100.000 Quadratmetern. Es gibt also unglaublich viel zu entdecken! Gleich zu Beginn begibt man sich über ein lebensgroßes Modell der Nihonbashi-Brücke. Auch kann man Häuser im damaligen Stil entdecken und fein gearbeitete Dioramen sehen, welche die Architektur und den Lebensstil von damals detailgetreu nachstellen.

Geschichtlicher Hintergrund des Edo Tokyo Museum

Der bekannte Kriegsherr Tokugawa Ieyasu hatte seinen Regierungssitz in Edo, dem heutigen Tokyo. Als Edo-Zeit wird der Abschnitt von 1603 bis 1868 bezeichnet, in dem die Tokugawa-Shogune über Japan herrschten. Die Zeit war geprägt durch wirtschaftliches Wachstum, eine strenge soziale Ordnung, außenpolitische Isolation, keine Kriege und ein steigendes Interesse an Kunst und Kultur.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Edo mit einer Bevölkerung von etwa einer Million Menschen zu einer der größten Metropolen der Welt geworden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich eine eigene, unverwechselbare Kultur entwickelt. Hier liefen Handel und Informationen aus dem ganzen Land zusammen.

Ein Tanz zur Einstimmung

Zusätzlich zur Dauerausstellung veranstaltet das Museum fünf- bis sechsmal im Jahr Sonderausstellungen und bietet auch Vorträge und Workshops zur Geschichte und Kultur von Edo-Tokyo an. Die Dauerausstellung ist mit 600 Yen pro Person relativ günstig für das, was man geboten bekommt. Wir hatten Glück an diesem Samstag, eine Gruppe sehen zu dürfen, welche traditionelle Tänze aufführte. Somit waren wir perfekt auf unseren Besuch eingestimmt.

Liebe zum Detail

Das Edo Tokyo Museum bietet eine unglaubliche Vielfalt an Informationen (übrigens auch auf Deutsch, entweder als Audioguide oder jeweils auf einem Bildschirm). Von Samurai Rüstungen bis zu einem riesigen Festwagen kann man alles genau im Detail bestaunen. Insbesondere die japanischen Handwerkskünste dieser Zeit kommen somit perfekt zur Geltung. Die Liebe zum Detail ist wirklich atemberaubend!

Auch alte Drucktechniken werden gezeigt und durch die diversen Arten der Darstellung von Thematiken wird es garantiert nicht langweilig. Das alltägliche Leben der Japaner in der damaligen Zeit wird dargestellt durch lebensgroße Figuren. Man lernt Fakten über die Bewässerungssysteme von damals und die Feste der Einwohner von Edo. Es werden so viele Themen abgebildet, dass man bei einem Besuch gar nicht genug Zeit hat, alles zu entdecken. Wir verbrachten etwas über 4 Stunden im Museum und wollen definitiv wiederkommen!

Das Edo Tokyo Museum präsentiert die Künste der Edo-Zeit

Am spannendsten waren für mich die damaligen Künste Japans, welche heute noch immer weltberühmt sind. In der Edo-Zeit verbreitete sich das Kabuki-Theater und die Kunst der Ukiyo-e-Holzschnitte. Zudem nahmen volkstümliche und religiöse Feste und Mode eine wichtige Rolle ein. Diese zogen Besucher aus dem ganzen Land an.

Kabuki war ein wichtiger Zeitvertreib für die Menschen und eine der wichtigsten traditionellen Unterhaltungsformen im damaligen Japan. Im Edo Tokyo Museum kann man eine Kabuki-Bühne entdecken und in Ruhe die wunderschönen und aufwendigen Kostüme bewundern. Zudem gibt es Einblicke hinter die Kulissen.

In der Edo-Zeit gab es eine große Anzahl von Publikationen, welches zu einer einzigartigen Verlagskultur führte. Durch ihre Verbreitung erhielten die Menschen Zugang zu Informationen. Viele Bücher enthielten auch Holzschnittillustrationen, von denen man im Museum viele Beispiele sehen kann. Insbesondere der Herstellungsprozess ist spannend zu betrachten.

Wer sich für Ukiyo-e interessiert, kann hier ebenso viel über dessen Entstehung und Entwicklung lernen, sowie über Ukiyo-e Drucke, welche nach Übersee exportiert wurden. Diese trafen den Geschmack der europäischen Oberschicht und beeinflussten sogar die Maler des Impressionismus. Wer sich für den berühmten Künstler Hokusai interessiert, kann ganz in der Nähe übrigens auch das Sumida Hokusai Museum besuchen.

Garantiert keine Langeweile

Anschauliche Exponate zeigen die Werkzeuge von Händlern, die Ausrüstung der Feuerwehrleute, eine traditionelle Sänfte, die von den Feudalherren der Edo-Periode benutzt wurde, und andere Artefakte. Durch die vielen Exponate des Museums und das reichhaltige historische Originalmaterial können Besucher unglaublich viel über die Geschichte Tokyos lernen.

Die Wiederherstellung der kaiserlichen Macht im Jahr 1868 (Meiji-Restauration) beendete das von der Tokugawa-Familie zweieinhalb Jahrhunderte zuvor in Edo errichtete Militärregime. Zu diesem Zeitpunkt wurde Edo die Hauptstadt Japans, welche ab nun Tokyo hieß (vorher war Kyoto die Hauptstadt). Die Burg Edo, die ehemalige Residenz des Tokugawa-Shogunats, wurde nun zum neuen Kaiserpalast gemacht.

Auch die jüngere Geschichte Japans wird im Edo Tokyo Museum ausgestellt, mit neuesten Entwicklungen (Maskottchen, Technologien usw.) und Einblicken in moderne Wohnräume. So lernt man anschaulich, wie Tokyo zu der Stadt geworden ist, wie wir sie heute kennen und lieben.

Unser Fazit

Das Edo Tokyo Museum lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur für Geschichtsliebhaber. Hier kann man unglaublich viel entdecken und über die damalige Zeit lernen. Es wird nie langweilig durch die wirklich tolle Art der Ausstellung und wem das noch nicht genug ist, der kann auch noch die Sonderausstellungen besuchen oder das Sumida Hokusai Museum, welches sich ganz in der Nähe befindet.

Japan meine Liebe foto von Susann Schuster

Ort: Sumida, Tokyo
Zeit: Montags geschlossen
Webseite (auf Englisch):
www.edo-tokyo-museum.or.jp/en/

Von Susann, 19. März 2021
4 Comments
  • Emil
    12. April 2021

    Hallo!
    Gerne! Wäre übrigens hilfreich wenn eine Benachrichtigung (E-Mail) erfolgen würde auf Eure Antworten.

    • Sebastian
      12. April 2021

      Vielen Dank für den Hinweis, ich werde dem einmal nachgehen und schauen, ob wir da etwas einstellen können.

  • Emil
    27. März 2021

    Ein wahrlich monumentales Museum! Von außen schon imposant!
    Nett auch der Bahnhof mit den Sumo-Bildern in der Nähe, sowie die Sumohalle! Bei meinem Besuch im Museum war gerade eine Veranstaltung dort und Sumo-Ringer spazierten außen umher.

    • Susann
      28. März 2021

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Die Gegend ist wirklich super schön und hat viele kulturelle Highlights. Hoffentlich können wir in Zukunft mal bei einem Sumo-Turnier zuschauen, wenn es wieder möglich ist.

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